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Jugendliche Persönlichkeit nicht brechen sondern fördern.

15. Januar 2008

Die Aufregung unter einigen „wahlkämpfenden“ Politikern im Zusammenhang mit den erschreckend brutalen Gewalttaten der letzten Tage durch jugendliche Kriminelle machen leider deutlich, dass unsere Mandatsträger in den zurückliegenden Jahren auf dem Feld der Jugendpolitik durchweg versagt haben.

Als Reaktion auf die verabscheuungswürdige Gewalt junger Menschen gegen Alte und gegen Mitbürger anderer Herkunft und Hautfarbe kommen von Seiten der CDU sofort der Ruf nach härteren Strafen und von Herrn Ministerpräsidenten Koch sogar die Forderung, in Ausnahmefällen auch 13 jährige Kinder strafrechtlich verfolgen zu können, und die jugendlichen Täter sind wie selbstverständlich dem Personenkreis mit Migrantionshintergrund zuzurechnen. Die SPD prangert dagegen grobe Versäumnisse der CDU-Landesregierungen an. Beides zeigt, wie oberflächlich die Politiker dieser Parteien dieses gravierende gesellschaftspolitische Thema angehen.

Zu wenig Polizisten und überlastete Staatsanwaltschaften und Gericht gibt es nicht nur in den von der CDU regierten Bundesländern. Und die Behauptung, dass die gewaltbereiten Jugendlichen schwerpunktmäßig aus Familien mit Migrationshintergrund kommen, ist nach Auffassung von Fachleuten so pauschaliert eindeutig falsch. Sie ist aber geeignet, Jugendliche aus solchen Familien global zu stigmatisieren und auszugrenzen und dadurch die vielfältigen Bemühungen um eine noch bessere Integration zu unterlaufen.

Natürlich ist es Aufgabe der Regierungen, die Bürger vor Gewalt zu schützen. Und niemand bestreitet, dass die von Jugendlichen ausgehende Gewaltbereitschaft in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Dies ist aber trotz der umfassenden gesetzlichen Regelungen des Jugendstrafrechts geschehen. Was könnte in Jugenderziehungslager nach amerikanischem Vorbild im Bezug auf die Resozialisierung und Erziehung jugendlicher Straftäter oder gar strafunmündiger Kinder besser gemacht werden? Eine strenge, Disziplin fordernde Erziehung ist auch in den Erziehungsheimen und im Jugendstrafvollzug möglich, wenn die dafür vorhandenen Einrichtungen ausreichend mit qualifiziertem Personal ausgestattet sind. Aber die Unterbringung in diesen Einrichtungen bietet gleichzeitig eine Möglichkeit zur Resozialisierung. Denn die dort beschäftigten Fachkräfte sind in der Lage, mit den Jugendlichen so zu arbeiten, dass ihre Persönlichkeit gestärkt wird. Das brauchen die jugen Menschen, wenn sie nicht mehr rückfällig werden sollen. Daneben gibt es einige unterschiedliche neue Formen geschlossener und offener Einrichtungen des Jugendstrafvollzugs, in denen jugendlichen Straftäter Möglichkeiten geboten werden, aus dem Teufelskreis der Rückfälligkeit herauszufinden.

Die von den Hardlinern geforderten strengeren Gesetze und schärfere Vorgehensweise gegen jugendliche Straftäter oder gar Kinder stellen solche Ansätze in Frage und führen zu Verunsicherung sowohl bei den Straffälligen als auch bei den Betreuern. Wenn im Jugendstrafvollzug aber Erfolge in Richtung Resozialisierung erzielt werden sollen, muss eine glaubwürdige Politik gemacht werden. Doch Politiker, die von einem Tag auf den anderen ihre Aussagen variieren, zunächst schärfste Maßnahmen fordern und kurz darauf erklären, so hätten sie es nicht gemeint und sie seien falsch interpretiert worden, können nicht erwarten, dass man ihnen vertraut. Man kann nur hoffen, dass trotz diesem Verwirrspiel die Betreuer der Jugendlichen sich nicht beirren lassen und den Weg der verständnisvollen aber konsequenten Resozialisierung mit den jungen Menschen weitergehen.

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